Vor Corona sind nicht alle gleich

Seit einiger Zeit werden auf der Intensivstation, auf der ich arbeite, vor allem Menschen mit Covid-19 Infektionen behandelt. Seitdem ist die Zahl der arabisch, kurdisch oder türkisch sprechenden Patientinnen merklich angestiegen. Menschen ohne oder mit nur wenig Deutschkenntnissen zu behandeln, ist hier in Berlin nichts Ungewöhnliches. Da der Stadtteil, in dem ich arbeite, Heimat vieler Menschen mit Migrationshintergrund ist, bin ich regelmäßig auf die Übersetzungshilfe von Kollegen angewiesen, um den Grund der Vorstellung zu verstehen, über anstehende Eingriffe aufzuklären oder Therapieentscheidungen zu erläutern. Dennoch ist das fast vollständige Fehlen von weißen Deutschen unter den Patientinnen auffällig und nicht nur ich frage mich, was dahintersteckt. Die Intonation der Kommentare im Kollegium variiert („Ist auch mal wieder ein Deutscher aufgenommen worden?“, „Es sind wieder nur unaussprechliche Namen dazugekommen“) und lässt unterschiedliche, mehr oder weniger negativ konnotierte Vorurteile bezüglich der scheinbaren Ursachen vermuten.

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